Kommentar: Hart aber Fair-Diskussion – Wie dumm macht uns das Fernsehen?

4. Februar 2013 5 Kommentar(e)

Am Abend des 4. Februar widmete der öffentlich rechtliche TV-Sender ARD die komplette Prime-Time einem hochinteressanten Themenkomplex rund um unsere vernetzte Gesellschaft. Das Ergebnis kann meiner Meinung nach aber als verbesserungswürdig eingestuft werden. Warum, lest ihr in diesem höchst subjektiven Beitrag.


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Zunächst gab es eine eher seichte Reportage rund um die Marke Apple zu sehen. Zu diesem Thema möchte ich hier nicht mehr schreiben, das hat mein geschätzter Kollege Sascha Pallenberg bereits auf seiner Seite mobilegeeks.de erledigt und auch Cashy hat auf seiner Seite seinen Senf dazu abgegeben.

Interessanter war die rund 75 Minuten lange Diskussion in der Sendung „Hart aber fair“ mit Moderator Frank Plasberg. Das Thema der Show „Handy an, Hirn aus – wie doof machen uns Apple und Co.?“ machte mich neugierig und natürlich habe ich mir das Ganze dann auch noch angesehen.

Die fünf Gäste schienen laut ARD einen adäquaten Querschnitt aus der Gesellschaft abzubilden, um vernünftig über das Thema wie „doof“ uns Apple und Co. machen, diskutieren zu können.

Bereits nach wenigen Minuten war klar, in welche Stoßrichtung das Ganze gehen wird. Moderator Frank Plasberg beziehungsweise die redaktionelle Aufarbeitung der Sendung spielte vor allem denjenigen in die Hände, die in Social Media, Smartphones, Videospielen und offenbar dem Internet als Ganzes eine Bedrohung sehen.

Medienpsychologin Paula Bleckmann gaben mit den Meinungen „Smartphones erst für Jugendliche ab 15“ und Josef Kraus, der Präsident des deutschen Lehrerverbandes, mit dem Statement „ich bin kein Freund von Laptop-Klassen und Whiteboards“ in der ersten Hälfte klar den Ton an.

Als Gegenpol saß dann noch Christopher Lauer von der Piratenpartei am Tisch, der händeringend versuchte, das Niveau der Diskussion über plumpe Verteuflung zu heben. Im Laufe der Sendung schwappte das Ganze dann zeitweise in eine Killerspiel-Debatte um, die (Zitat Herr Kraus) ohnehin „großteils für militärische Trainingszwecke“ entwickelt wurden.

Die ganze Sendung habe ich leider noch nicht online entdeckt, hier aber mal ein Ausschnitt:

Update: Mittlerweile ist die komplette Sendung auf Youtube online:

Die drei Lehren aus der Diskussion

Ich möchte mich hier möglichst kurz fassen und drei meiner Gedanken, oder auch Lehren, aus dieser Diskussion zusammenfassen.

1. Die Sendung war eine Themenverfehlung

Nochmal zur Erinnerung, das Thema lautete „Handy an, Hirn aus – wie doof machen uns Apple und Co.?“. Die Debatte kreiste 90 Prozent der Zeit um Kinder und wie diese vor allem, was annähernd nach Internet riecht, zu schützen seien. Interessanter wäre gewesen, wie Google, Siri, Wikipedia und Co tatsächlich unseren Alltag verändert haben. Gibt es dazu bereits Studien? Welche Vor- und Nachteile hat es, theoretisch immer alles „googlen“ und dadurch wissen zu können? All das wurde in der Sendung nicht thematisiert.

2. Es wurde tendenziell berichtet

Vor allem gegen Ende wurde klar, auf welcher Seite der Moderator steht, als er als „Lehre“ der Sendung mitnahm, dass bei der Piratenpartei Notizblöcke aus Papier wieder „in“ seien, weil Lauer eben einen solchen einmal zückte, um zu zeigen, dass er doch nicht ganz digital leben würde. Die kurzen Einspieler, in denen Nintendo DS-spielende, „süchtige“ Kinder als Beweis für die vermeintliche Degeneration unserer Gesellschaft gezeigt wurden, spielten klar den Gästen in die Hände, die Smartphones, Tablets und das Internet nicht leiden konnten. Lauer blieb am Ende nichts weiter übrig, als mit starrer Miene das Trauerspiel über sich ergehen zu lassen.

3. Der Kern des Problems wurde nur angeschnitten

Der einzig gehaltvolle Satz, um den sich die ganze Diskussion eigentlich drehen hätte sollen, fiel meiner Meinung nach von Christopher Lauer. Er meinte sinngemäß, dass der technologische Fortschritt irreversibel sei und dass man Kinder, Jugendliche und Erwachsene in der Schule oder auch durch entsprechende TV-Sendungen über die tatsächlichen Vor- und Nachteile aufklären sollte.

Fazit

Und das ist auch meine Meinung: Anstatt in einer Abwehrhaltung zu verharren, sollte man offen und dennoch kritisch mit all den neuen Möglichkeiten und Gefahren umgehen. Es sollte nicht nur ein Schulfach „Medienkompetenz“ geben, sondern generell mehr Information über technologische Entwicklung. Leider ist zumindest im schulischen Sektor hier wenig Handlungsbereitschaft zu erwarten, denn der von Herrn Kraus für „wichtig“ befundene „Informatikunterricht“ wird wohl nicht die Lösung für dieses Thema sein.

Was bleibt, ist ein sehr fader Nachgeschmack. Mir kam die Diskussion als ein Relikt vergangener Tage vor. Anstatt über die Chancen und tatsächlichen Gefahren zu diskutieren, gab es unreflektierte Technologiefeindlichkeit zu hören, was vom Publikum aber immer wieder mit Zwischenapplaus goutiert wurde. Ranga Yogeshwar und vor allem Christopher Lauer versuchten mit aller Kraft den übrigen Gästen ihre Standpunkte darzulegen, scheiterten aber an deren Verständnislosigkeit.

Was bleibt ist eine antiquiert wirkende Sendung, die ihrem Namen “Hart aber Fair” nicht gerecht geworden ist. Das Ganze wird dem von Internet, Smartphones und Co. verängstigtem ARD-Zuseher als Polit-Talk präsentiert. Da bleibt nur zu fragen: Wie dumm macht uns das passivste aller Medien, das Fernsehen?

Was denkt ihr? Habt ihr die Diskussion auch gesehen?

Die Webseite zur Sendung lautet übrigens folgendermaßen: http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/

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Raphael Schön   
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